Darstellung der Privatschule
„LERN MIT MIR im Universellen Leben“
beim Wettbewerb zum Deutschen Schulpreis 2008
der Robert Bosch Stiftung, Heidehof Stiftung, stern
Inhalt
Vorbemerkung
Leistung
Umgang mit Vielfalt
Unterrichtsqualität
Verantwortung
Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner
Schule als lernende Institution
Vorbemerkung
Das Erziehungskonzept der Schule ist ganzheitlich angelegt und berücksichtigt Lernen mit allen Sinnen, mit Herz und Verstand sowie die Entdeckung und Förderung der vielfältigen Talente und Fähigkeiten. Die Erziehung orientiert sich an den Zehn Geboten Gottes und den Grundsätzen der Bergpredigt des Jesus von Nazareth gemäß der „Goldenen Regel“: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg´ auch keinem andern zu!“. Diese Richtschur zieht sich durch alle Bereiche des täglichen schulischen Lebens.
Die Erziehungsziele sind:
Geradlinigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit
Die Erziehung führt die Kinder und Jugendlichen dahin, dass sie im Leben „ihren Mann“ und „ihre Frau“ stehen können und dass sie in geradliniger Art und Weise für die Familie und für die Gesellschaft sind.
Das Zusammenleben in der Schule gestaltet sich nach folgenden Leitlinien:
- Wir achten unseren Nächsten.
- Konfliktsituationen lösen wir gemeinsam unter dem Motto: »Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu!«
- Wir helfen uns gegenseitig beim Lernen, jeder lernt von jedem.
- Wir gehen mit Einrichtungsgegenständen, Unterrichtsmaterial, Spielzeug usw. sorgsam und verantwortungsvoll um.
- Wir achten die Natur, die uns umgibt. Wir pflegen z.B. gemeinsam die Pflanzen im Schulhaus und im Garten.
- Die Tiere sind Geschöpfe Gottes. Wir finden einen innigen Bezug zu Tieren als Freunde, die fühlen und empfinden wie wir.
Leistung
Mehrmals im Jahr werden klassenübergreifende Projekte unter jeweils einer Überschrift veranstaltet, z.B. Natur/Ernte, Tier- und Umweltschutz, Ernährung/Kochen, Sport, Kunst oder Kultur/Literatur/Theater). Zur Kreativitätsförderung werden je nach Thema Künstler oder Autoren dazu eingeladen. Dabei werden Themenvorschläge von Schülern aufgenommen und gemeinsam erarbeitet und umgesetzt. Anschließend folgt eine Präsentation und Dokumentation vor Schülern und Eltern, z.B. bei Schulfesten, Abschlussfeiern, Tagen der offenen Tür.
In regelmäßigen Klassenprojekten (z.B. Themen aus der Geschichte wie z.B. „Das Leben der Indianer“, Tier- und Umweltschutz, Lesenächte, Gedicht- und Schreibwerkstatt, Schülerzeitung, Schülerbetrieb, Bewerbungstraining usw.) lernen die Schüler selbstbestimmt und zielgerichtet zu arbeiten.
Unsere Erfahrung zeigt, dass die Förderung der vielfältigen Talente und Fähigkeiten im Unterricht, in Projekten und in über 30 Interessengemeinschaften am Nachmittag (Konzept der Ganztagsschule) mit der eine positive Rückkopplung auf die schulischen Leistungen hat. Besonders förderlich auf das Lernverhalten wirkt sich auch das individuelle Eingehen auf die Schüler aus, wenn sie etwas bedrückt oder beschäftigt. Nach der Klärung können sie anschließend wieder konzentriert am Unterricht teilnehmen.
An unsere Schule ist eine eigene Musikschule angeschlossen, die den Schülerinnen und Schülern das Erlernen einer Vielzahl von Instrumenten sowie das mehrstimmige Singen im Chor anbietet. Regelmäßig finden musikalische Vorführungen oder Talentwettbewerbe statt, die das Schulleben mit ästhetischer Bildung bereichern.
In den letzten Schuljahren nahm die Schule an vielen Wettbewerben teil: So nimmt z. B. jede 7. Jahrgangsstufe jedes Jahr am Bundeswettbewerb für Fremdsprachen teil. Dazu erarbeitet die Klasse jeweils im ersten Halbjahr ein Drehbuch zu einem Film. Diesen nehmen die Schüler selber auf und bearbeiten ihn auch beim Schneiden und Gestalten selbstständig. Die 8. Jahrgangstufe nimmt am Filmwettbewerb „Klappe“ teil. Hinzu kommen u.a. die Teilnahme an Wettbewerben der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Schülerzeitungs-Wettbewerb des Kultusministeriums und der Süddeutschen Zeitung sowie der „Umweltschule in Europa“.
Im Projekt „Kinder und Pferde“ lernen über 50 Schülerinnen und Schüler den natürlichen Umgang mit Pferden. Sie versorgen eigenständig unter Anleitung die 10 Pferde, auch am Wochenende und die Ferien. Mehrere Gruppen fahren einmal pro Woche auf einen naheliegenden Gnadenhof und helfen hier bei der Versorgung und Betreuung der Tiere mit.
Ab der 1. Klasse lernen die Kinder verschiedene Berufe in Betriebserkundungen kennen. Sie helfen beispielsweise mit bei der Apfelernte und sind bei der Herstellung von Apfelsaft dabei. Eine Besonderheit unserer Schule sind die Lernwerkstätten in der 7. Klasse: Aus 20 Berufen wählen die Schülerinnen und Schüler 5 Berufe aus, die sie in diesem Schuljahr näher kennen lernen möchten. Zwei Monate lang schnuppern die Jugendlichen am Donnerstagnachmittag in den jeweiligen Beruf hinein.
In der 8., 9. und 10 Jahrgangstufe finden zweiwöchige Betriebs- und Berufspraktika statt sowie Betriebserkundungen. In Schülerbetrieben lernen die Jugendlichen Grundbegriffe des Wirtschaftens kennen.
In den Ferien werden in der 9. und 10. Klasse Crashkurse für die Prüfungen für den Qualifizierenden Hauptschulabschluss und die Mittlere Reife angeboten.
Wir bejahen die positive Entwicklung jedes Schülers und machen die Erfahrung, dass diese Haltung die Schüler motiviert und ihr Selbstvertrauen bestärkt. Das führt zu erfolgreichen Leistungen.
Die Ergebnisse beim Qualifizierenden Hauptschulabschlusses der vergangenen Jahre belegen den Erfolg: Sie gehören zu den besten in ganz Bayern! Diese Ergebnisse sind für eine Hauptschule außergewöhnlich erfolgreich.
Unsere Schule wollte von Anfang an - durch neue pädagogische Inhalte und Maßnahmen -der üblichen Apostrophierung der Hauptschule als „Restschule“ entgegentreten.
Aufgrund der soliden Basis, die Schüler an der Schule erhalten haben, erzielen sie auch in weiterführenden Schulen gute oder sehr gute Ergebnisse, etliche unserer ehemaligen Schüler studieren inzwischen an Hochschulen und Fachhochschulen.
Wer sich für das Berufsleben entscheidet, findet auch eine Lehrstelle, denn Schüler aus der Privatschule LERN MIT MIR sind weithin bekannt für ihren Einsatzwillen, den guten Umgang und das selbstständige Arbeiten. Sie haben gelernt, wie man lernt.
Viele Schüler bringen durch das reiche Nachmittagsangebot in über 30 verschiedenen Interessengruppen Talente zur Entfaltung, die ihnen später beim Einstieg ins Berufsleben zugute kommen. Beispielsweise machen einige Mädchen, die jahrelang im Projekt „Kinder & Pferde“ und auf dem Gnadenhof „Heimat für Tiere“ aktiv waren, inzwischen eine Ausbildung zur Tierarzthelferin oder Tierpflegerin. Einige Schüler, die während ihrer Schulzeit an Film- oder Schülerzeitungs-Projekten teilnahmen, absolvieren eine Ausbildung im Medienbereich. Besondere Erfolge erzielten Schülerinnen im Tanzen. Eine Schülerin der 10. Klasse und unterrichtet neben der Schule schon als voll ausgebildete Tanzlehrerin in einer Tanzwerksatt.
Umgang mit Vielfalt
Unterrichtsmethoden
Durch verschiedene Unterrichtsmethoden, bei denen die Schüler aktiv in die Unterrichtsplanung und Projektplanung mit einbezogen werden, wird ihre Eigenverantwortlichkeit gefordert und gefördert. Der Lehrer sieht sich als Helfer und Berater.
· Tagesplan- und Wochenplanarbeit · Lernzirkel · Gruppenarbeit · Freiarbeit
· Methodenlernen nach Klippert · Projektarbeit · Museums- und Theaterbesuche
· Unterrichtsgänge und Betriebserkundungen · Fachleute in den Unterricht hereinholen
Kein Schüler geht verloren
Individuelle Lernleistung wird gefördert durch
· Innere Differenzierung · äußere Differenzierung in Modulen nach individuellem Lernbedarf · kleine Lerngruppen · Übungsstunden statt Hausaufgaben (mit individueller Hilfe durch den Lehrer) · Crashkurse in den Ferien als Prüfungsvorbereitung · Schülerpatenschaften (ältere Schüler helfen jüngeren beim Lernen) · Tutorensystem (Schüler gleichen Alters helfen einander) · Schüler aus elf verschiedenen Nationen und unterschiedlichstem sozialen Hintergrund · jeder Schüler wird dort abgeholt, wo er augenblicklich steht, mitgenommen und begleitet. Dadurch kann sich jeder Schüler in seiner Persönlichkeit entwickeln.
Prinzip der Schulfamilie
Die Gleichbehandlung wird in allen Bereichen gefördert. Jeder ist wichtig und wird ernst genommen. Dies zeigt sich an folgenden Beispielen:
- Lehrer und Schüler duzen sich auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt
- Enge Zusammenarbeit mit dem Elternhaus
- Die Begegnung verschiedener Nationalitäten, die unterschiedliche soziale Herkunft und die Erziehung sind willkommenen Anlässe für die von der Schule praktizierte integrative Pädagogik
- Integrative Schule
Förderung der Internationalität
- Gastschüler
- Schüler aus dem Ausland sind in die beiden Internathäuser integriert
- Internationale Schulprojekte und Schulfeiern mit internationalem Motto
Unterrichtsqualität
Unser Anliegen ist es, dass die Schüler so viel wie möglich in die Unterrichtsgestaltung einbezogen sind und selbstständig oder in Partner- bzw. Gruppenarbeit Aufgabenstellungen durchdenken.
Mit Hilfe verschiedener Unterrichtsformen und vor allem durch die freundschaftliche Atmosphäre entwickeln die Schüler Freude am Lernen und eine gute, motivierte Arbeitshaltung. Die pädagogische Arbeit und der Unterricht sind gleichermaßen wichtig. In der Grundschule beginnt der Tag mit einer Spielstunde (1./2. Klasse). Von der 1. bis zur 10. Klasse gibt es am Morgen ein Wohlfühlfrühstück mit einem ausführlichen Morgenkreis, in dem die Kinder und Jugendlichen erzählen und sich aussprechen können. Werden hier Konflikte deutlich, die die Schüler von Zuhause mitgebracht haben oder die mit anderen Schülern oder mit Lehrern bestehen, versuchen wir diese, so schnell wie möglich zu lösen, damit die Kinder den Kopf und das Herz frei haben fürs Lernen. Die Kinder tragen Konflikte oder Verbesserungsvorschläge auch in anderen Klassen vor. So passiert es oft mehrmals die Woche, dass Schüler anderer Jahrgangsstufen an der Klassentür klopfen: „Wir möchten etwas ansprechen“. Jeden Morgen wird der Tages- bzw. der Wochenablauf besprochen und geplant. Hierbei werden Ideen der Schüler mit einbezogen und so weit wie möglich noch am gleichen Tag in die Tat umgesetzt. Auch wenn während des Tages Vorschläge oder Konflikte auftauchen, wird flexibel darauf eingegangen.
So entwickelte sich in einer Grundschulklasse aus einem Bericht im Morgenkreis ein mehrwöchiges Projekt über die Haltung von Hundewelpen. Ein Mädchen berichtete, dass ihre Mutter eine Straßenhündin aus Spanien, die trächtig sei, nach Deutschland holen und so vor dem sicheren Tod retten wolle. Sofort entwickelte sich die Idee, diese Aktion mit der Klasse zu begleiten. Nach der Ankunft des Hundes erzählte das Mädchen jeden Morgen. Bald konnte man im Internet unter Tier-Engel.de Bilder der Welpen sehen. Nun fing die Klasse an, Texte zu den Bildern zu schreiben. Sie wurden zu einem Buch gesammelt und allen stolz vorgelesen. Auch schwächere Schüler, die sich mit dem Schreiben schwer taten, waren eifrig bei der Sache. Die Rechtschreibung konnte dabei gut geübt werden, weil ja jeder Buchstabe für die Veröffentlichung an der Wandzeitung der dritten Klasse bewusst getippt werden musste. Und nicht zuletzt lernten die Kinder den ersten Umgang mit dem Computer: speichern, drucken, Bilder laden, verkleinern, Schriftenfarben benutzen usw. Dabei war es wichtig, dass die Kinder lernten, sich gegenseitig zu helfen und erst, wenn der Nachbar oder die „Computermeister“ nicht mehr weiter wussten, die Frage an den Lehrer ging. Natürlich wurden die Hundewelpen auch besucht. Die Kinder durften sie streicheln und spürten ihre Wärme. Aber sie hörten auch, wie groß die Verantwortung für ein Tier ist: Jeden Tag spazieren gehen, Essen kaufen, putzen und pflegen - und das ein Hundeleben lang.
Durch solche von den Kindern kommenden Ideen halten wir den Unterricht lebendig und spannend. Es versteht sich von selbst, dass hierbei eine Vielzahl von Lehrplaninhalten abgedeckt wird.
Immer wieder finden in der Grundschule klassenübergreifende Projekte statt. So werden z.B. in Mathematik bei den Themen Wiegen, Messen, Multiplikation, Division und Textaufgaben verschiedene Gruppen gebildet. Die Schüler suchen sich selbstständig die Aufgaben aus, die mit Farbe nach Schwierigkeitsgrad (praktisch, rechnerisch, kognitiv) geordnet werden. Interessant ist, dass sich Schüler oftmals schwerere Aufgaben aussuchen, als sie eigentlich ihrer Jahrgangsstufe entsprächen. Die Lösungen können sie selbstständig kontrollieren.
Schon in der ersten und zweiten Klasse beginnen die Kinder, freie Texte zu schreiben. Während die erste Klasse noch in Druckschrift schreibt, kann die zweite schon die Schreibschrift nutzen.
Zum Einsatz kommen auch in höheren Klassen verschiedene methodische Varianten wie die Lerntheke. Hierbei suchen sich die Schüler z.B. im Biologieunterricht Texte selbstständig aus, bearbeiten diese in Gruppen- oder Partnerarbeit und stellen sie nachher der Klasse vor.
Auch der Lernzirkel motiviert die Schüler zum Lernen. Neben Pflichtstationen kommen auch Zusatzangebote zum Einsatz. In Physik besteht dann z.B. die Möglichkeit, verschiedenartige Versuche durchzuführen.
Je nach Fach wird beispielsweise mit Gruppenpuzzle oder Expertenteams gearbeitet. So ist es möglich, dass fünf verschiedene Texte gelesen werden. Anschließend wird über den Inhalt gesprochen, dieser zusammengefasst und als Hefteintrag oder Wandzeitung gestaltet
Die Wochenplanarbeit hilft den Schülern das selbstständige Planen und Einteilen ihrer Aufgaben zu lernen. Jeder arbeitet während feststehender Zeiten an einem anderen Thema. Auch hier ist neben Einzel- auch Partner- oder Gruppenarbeit möglich. Schwächere Schüler kann der Lehrer in einer Kleingruppe gezielt fördern. Zur Wochenplanarbeit gehört auch, dass die Aufgaben für die Woche durchgesprochen werden und die Schüler selbst einschätzen, wie viele Stunden sie für das jeweilige Thema benötigen. Gerade das gemeinsame Planen hält die Motivation hoch.
Gerne wird an unserer Schule auch der Computer eingesetzt. In den mehrmals im Jahr stattfindenden Projekten ist die Internetrecherche ein wichtiges Informationsmedium. Die Präsentation erfolgt anschließend vor der Gruppe oder der Klasse.
Im Kunstunterricht der höheren Klassen werden die praktischen Arbeiten oder die Themen aus der Kunstgeschichte intensiv durchdrungen und in zusätzlichen Stunden im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft am Nachmittag vertieft.
Wird das Thema praktisch gestaltend bearbeitet, so besitzt der Lehrer durch sein eigenes Tun Verständnis und weiß, den Schülern richtig zu helfen. Es gibt auch die Möglichkeit, dass die Schüler sich aus verschiedenen Schwierigkeitsgraden für sie passende Themen aussuchen. Immer wieder gibt der Lehrer individuelle Hilfen. Er macht Mut und sucht in jedem Kunstwerk das Positive, eine besonders schöne Stelle. Später präsentieren die Schüler ihre Arbeiten selber und helfen bei der Selbsteinschätzung, die für die Notengebung wichtig ist. Zur Vertiefung der Lehrplaninhalte bieten wir speziell in Kunst mehrere Interessengemeinschaften an, die am Nachmittag stattfinden.
Die Schüler sollen lernen, den Tagesablauf selber einzuteilen und dabei auch den Biorhythmus zu beachten. Oft kann es hilfreich sein, vor Unterrichtsbeginn erst einmal eine Runde Fußball zu spielen, um dann um so besser ans Lernen zu gehen. Wir gehen auch hier immer auf Ideen und Wünsche der Schüler ein.
In der regelmäßigen äußeren Differenzierung vor allem in Deutsch und Mathematik (7. Klasse: 2 Stunden pro Woche · 8. Klasse: 4 Stunden pro Woche · 9. Klasse: 4 Stunden pro Woche, davon 2 Std. Deutsch und 2 Std. Mathematik) teilen sich die Schüler selber verschiedenen Lerngruppen zu. In Rechtschreibmodulen wird ein Thema eine Woche lang wiederholt, andere arbeiten in dieser Zeit selbstständig beispielsweise mit literarischen Texten. So ist eine Differenzierung zwischen verschiedenen Lernniveaus möglich. Wichtig ist hierbei das gegenseitige Erklären.
Derzeit haben wir zwei Schülerfirmen an der Schule. Die 10. Klasse ist im Fach Informatik und im kaufmännisch-technischen Bereich gut gebildet. Die Jugendlichen beschlossen, ihr Wissen an andere weiterzugeben. So entstand die Idee von Computerkursen, die von den Schülern an zwei oder drei Abenden durchgeführt werden. Eltern, Bekannte oder jüngere Schüler können sich anmelden und gegen eine Kursgebühr ihr Computerwissen auffrischen oder erweitern. Die Jugendlichen der 10. Klasse wollen das erwirtschaftete Geld für ihre Klassenreise verwenden. Natürlich sind die Schüler hoch motiviert und überlegen sich im Team: Wie soll der Flyer aussehen? Wer gestaltet die Internetsite? Wer ist geeignet, bei den Kursabenden die Leitung zu übernehmen? Es wird gezielt im Team gearbeitet und die verschiedenen Fähigkeiten der Jugendlichen werden für die „Firma“ eingesetzt.
Die andere Schülerfirma kommt aus der 6. Klasse. Die Kinder stellen biologisches Eis selbst her und verkaufen es einmal in der Woche in der Pause an Schüler und Lehrer. Mit dem Erlös soll ein Projekt im Schulgarten finanziert werden, das die Kinder seit einiger Zeit durchführen. Bei diesem Schulgarten-Projekt lernen und erleben die Kinder nicht nur die Aussaat und Pflege von Pflanzen, sondern auch die Haltbarmachung der geernteten Früchte
Im letzten Schuljahr gab es eine Schülerfirma der 8. Klasse, die ein halbes Jahr lang in einer Fahrradwerkstatt, bei einer Auto-Innenreinigung und in einem Schülercafé tätig war. Hierzu teilte sich die Klasse in Teams auf: Eine Gruppe war zu bestimmten Zeiten in der Fahrradwerkstatt tätig. Alle Schüler wurden durch Flyer eingeladen, ihre defekten Fahrräder zu bringen. Unterstützung erhielten die jungen Techniker von einem ehemaligen Ingenieur, der als Rentner ehrenamtlich die Schüler unterstützte. Eine andere Gruppe warb Lehrer und Eltern als Kunden: zu bestimmten Zeiten wurde die gründliche Innenreinigung ihrer Autos angeboten. An zwei Nachmittagen gab es eine Großaktion: „Wir reinigen Ihr Auto, während Sie Kaffee & Kuchen genießen“. Bis zu 10 Autos wurden auf dem Schulhof parallel gereinigt, während die Autofahrer sich im Schülercafé Kaffee, Tee, Eis und verschiedene – im Hauswirtschaftsunterricht selbst gebackene – Kuchen und Torten schmecken lassen konnten. - Das erwirtschaftete Geld deckte fast ein Drittel der Kosten ihrer Klassenfahrt.
Schülerfirma der sechsten Klasse beim Eisverkauf.
Verantwortung
Im Mittelpunkt des Erziehungskonzeptes steht der rücksichtsvolle Umgang mit den Mitmenschen und der Natur. Der verantwortungsbewusste Umgang mit Gebrauchsgegenständen sowie der Einrichtung unseres Schulhauses ist uns ebenso ein Anliegen.
Das Schulleben ist jeden Tag eine Herausforderung und das soziale Miteinander muss immer wieder neu erarbeitet werden. Das ethische Prinzip „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg´ auch keinem andern zu“ durchdringt alle Bereiche und stellt eine effektive Hilfe in allen Situationen dar.
- Ungelöste Differenzen werden sofort angesprochen und Lösungen erarbeitet. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass sich die Schüler in den anderen einfühlen lernen und sich in dessen Lage versetzen, aber auch ihren eigenen Anteil erkennen lernen. So kann Ungeklärtes aus der Vergangenheit oder Missverständnisse aufgearbeitet und gelöst werden.
- Die Lehrer sprechen immer wieder über die positiven Eigenschaften der Schüler. Auch innerhalb der Klasse lernen die Kinder und Jugendlichen diese zu schätzen und zum Ausdruck zu bringen. Beispielsweise schreibt jeder die positiven Eigenschaften aller aus der Klasse auf. So bekommt jedes Kind, jeder Jugendliche eine ganze Liste mit seinen guten Eigenschaften. An diese kann er in schwierigen Situationen denken, um eine Wende zum Positiven zu finden oder – wenn etwas vorgefallen ist - sich bemühen, die guten Eigenschaften wieder zur Geltung zu bringen.
- Jede Klasse ist für ihr Klassenzimmer und den dazugehörigen Flur verantwortlich. Im Wechsel kommt jeder an die Reihe, zu Ordnung und Sauberkeit beizutragen: Staubsaugen, Staubwischen, Waschbeckendienst, Tafeldienst, Mülldienst (auch auf Mülltrennung achten!), Pflanzen versorgen, Klassenbücherei und die Spiele-Ecke aufräumen, Frühstücksdienst, Ordnungsdienst. Jeder Schüler hat einen eigenen Tisch und ein Fach, der Tisch wird am Ende des Schultages geputzt und aufgeräumt. Das Klassenzimmer und die Flure werden mit Bildern und Plakaten gemeinsam ge-staltet. So sorgen alle dafür, dass das Klassenzimmer und das Schulhaus schön bleibt und mit Einrichtungsgegenständen, Unterrichtsmaterial und Pflanzen sorgsam umgegangen wird.
- In gemeinsamen Aktionen wird das Schulhaus, der Hof und Garten gepflegt und geputzt. Auch die VW-Busse, mit denen die Schüler am Nachmittag zu ihren Interessengemeinschaften fahren z.B. ins Schwimmbad, in die Sporthalle oder auf den Gnadenhof, werden einmal pro Woche im Wechsel von Schülern innen gereinigt.
- Alle sind bestrebt bei Vorhaben oder Konflikten gemeinsame Lösungen zu finden, indem ein regelmäßiger Austausch stattfindet z.B. mit den Schülersprechern und dem Elternbeirat.
- Die Achtung vor der Schöpfung und die Beziehung zwischen Mensch, den Tieren und der Natur wird groß geschrieben. Tier- und Naturschutz sind somit Unterrichtsprinzip. Deshalb gibt es entsprechende Interessengruppen und Projekte in der Natur, in naturgemäßer Landwirtschaft oder bei den Tieren eines Gnadenhofes. In der Schule wird täglich frisch ein vegetarisches Mittagessen für alle gekocht. Im hauswirtschaftlich–sozialen Bereich ist der Kochunterricht auch auf rein vegetarische Gerichte ausgelegt (einmalig in Deutschland).
Die Elternarbeit ist eine wesentliche Säule in der erziehlichen Arbeit.
Häufige Klassenelternabende, “Große“ Elternabende (mit allen Eltern der Schule), Themenabende unter dem Motto „Eltern helfen Eltern“, Vorträge von Experten zu Themen wie Ernährung, Medien oder Suchtprävention sowie vielfältige Feste und Feiern geben jedem die Möglichkeit, verantwortlich mitzumachen. Eine Elterninitiative bietet in den Ferien tageweise Betreuung an, es finden aber auch sportliche Freizeitwochen statt.
Die Selbstverantwortung der Schüler wird auf unterschiedlichste Weise gefördert.
- Im Rahmen der Interessengemeinschaften am Nachmittag leiten einige Schülerinnen und Schüler - unter pädagogischer Anleitung - selbstständig Interessengruppen (z.B. Tanzen) oder helfen in Interessengruppen für jüngere Schüler mit (z.B. in den Kursen im natürlichen Umgang mit Pferden).
- Ältere Schülerinnen und Schüler geben jüngeren Nachhilfe.
- Schüler machen aktiv mit bei der Organisation von Schulfesten, Einschulungsfeiern, Schulführungen: Schüler präsentieren ihre Schule.
- Wenn ein Lehrer gesucht wird, gestalten Schüler die Anzeige mit. So wurden der Klassenlehrer für die 10. Klasse sowie die Englischlehrerin durch eine Anzeige gefunden, die von Schülern entworfen worden war
Das Schulhaus ist die Lebenswelt aller
Für das Klassenzimmer, das Schulhaus und den Garten tragen alle Verantwortung und helfen bei der Pflege mit. Die Atmosphäre ist wohnlich mit vielen Pflanzen, schönen eingerichteten Räumen und hellen Farben.
Verantwortung für Natur und Tiere
- Im Projekt „Kinder & Pferde“ lernen über 50 Kinder und Jugendliche den natürlichen Umgang mit Pferden (nach dem amerikanischen „Pferdeflüsterer“ Pat Parelli). Sie lernen, nicht nur zu reiten, sondern die Pferde insgesamt zu betreuen und Verantwortung für sie zu tragen beim Füttern, Ausmisten, Pflegen und Ordnung machen rund um und im Stall.
- Mehrmals in der Woche besuchen Schülergruppen den Gnadenhof „Heimat für Tiere“, auf dem gerettete Tiere bis zu ihrem natürlichen Lebensende ein Zuhause gefunden haben. Die Kinder helfen auch hier begeistert mit.
Verantwortung für die berufliche Zukunft
- In Lernwerkstätten lernen die Schüler ab der 7. Klasse Verantwortung für ihre weitere Lebensplanung zu übernehmen. Sie finden heraus, welcher Beruf, welche Fähigkeiten in ihnen liegen. Was will ich später einmal werden? Welche Schlüsselqualifikatio
- nen sollte ich hierfür noch erwerben? Bei der Beantwortung dieser Frage helfen die wöchentlichen Lernwerkstätten sowie mehrere Betriebspraktika. Durch die Erfah-
- rungen im Berufsleben und durch das Kennenlernen der eigenen beruflichen Talente und Fähigkeiten wächst in den Jugendlichen das Selbstwertgefühl, was wiederum auf ihre Leistungen und den Umgang untereinander positiven Einfluss nimmt.
- Weitere Praktika und Betriebserkundungen werden in den Klassen 8, 9 und 10 durchgeführt. So lernen die Jugendlichen die unterschiedlichsten Betriebe und Arbeitsgebiete kennen und verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz.
Verantwortung der Lehrer
- Die Lehrer und pädagogischen Betreuer sehen die Schüler im Mittelpunkt ihrer Arbeit und verstehen sich als Dienstleister.
- Da unsere Schule eine private Schule ist, sehen sich die Lehrer und alle anderen Mitarbeiter auch als Unternehmer, die verantwortlich Teilbereiche der Schule übernommen haben und sich um deren Weiterentwicklung bemühen.
- Bei der Einstellung von Lehrern wird Wert darauf gelegt, dass sich möglichst jeder ehrenamtlich über die Schule hinaus für die Umwelt und die Gesellschaft engagiert.
Gesundheitserziehung
- Gesunde vegetarische Ernährung
- Thematisierung von Gesundheit und gesunder Ernährung in Projekten
- Bewegungserziehung bei Sport und Spiel vormittags und nachmittags
Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner
Die Teamstruktur im Kollegium und das Miteinander mit den Schülern bringt die Atmosphäre für ein gutes Schulklima
- Die Lehrer sehen sich als Begleiter und Freunde ihrer Schüler, nicht nur im Unterricht, sondern auch beim Mittagessen, im Freizeitbereich und – zum Teil - in den Internatshäusern.
- Die Gestaltung der Schule mit freundlichen Räumen, schönem Mobiliar und vielen Pflanzen, die Sauberkeit auch auf den Toiletten und einem weitläufigen Schulgarten tragen zu einer ruhigen, angenehmen Atmosphäre bei. Hierfür tragen alle gemeinsam die Verantwortung.
- Die Beziehung zwischen Lehrer und Schülern ist familiär. Alle sprechen sich mit dem vertrauten „Du“ an. Man übt die Achtung und den respektvollen Umgang miteinander. Dadurch wächst ein friedliches Miteinander.
- Die Nachmittagsangebote werden von den Schülern als sinnvolle Freizeitgestaltung gerne angenommen. Das steuert nicht nur der Langeweile oder der Unterforderung und ihren Folgen entgegen, sondern fördert die Entdeckung und Entfaltung vielfältiger Talente und Fähigkeiten sowie die Einübung von Schlüsselqualifikatio-nen.
- Weiterhin lernen die Schüler soziale Kompetenzen einzuüben und vor allem Talente und Fähigkeiten mit Ausdauer zu trainieren.
- Es greifen alle Bereiche ineinander: Unterricht, Freizeitbereich, Hausmeisterbereich, Hauswirtschaft, Internate. Mehrmals wöchentlich treffen sich alle zu gemeinsamen Konferenzen und Besprechungen. Das fördert die Verantwortung und Kommunikation untereinander
- Durch unser positives Schulklima hat die Schule wenige Ausfälle durch Krankheiten. Die Schüler freuen sich auf die Schule. Das belegen Rückmeldungen durch Schüler und Eltern. Auch der Leistungsstand und die guten Ergebnisse lassen dies sichtbar werden.
- Hat ein Lehrer oder Schüler eine neue gute Idee, dann wird darüber gesprochen und in die Tat umgesetzt, was möglich ist, dabei machen alle mit. So ist das Kollegium offen für ständige Neuerungen und Verbesserungen.
Öffnung der Schule und außerschulische Partner
- Die Schule öffnet sich durch „Tage der offenen Schultür“, Elternbesuche im Unterricht (nach Absprache), Einladung von Gästen und Experten (z. B. Vertreter verschiedener Berufe, Vertreter von Behörden usw.) in den Unterricht sowie vielfältige Feste und Feiern.
- Der Nachmittagsbereich arbeitet mit ansässigen Sportvereinen zusammen.
- Will ein neuer Schüler die Schule besuchen, hat er Gelegenheit vor dem endgültigen Aufnahmegespräch mehrere „Schnuppertage“ bei uns zu verbringen. Auch die Vorschüler „schnuppern“ bereits mehrere Monate vor der Einschulung einmal wöchentlich in die Schule hinein.
- Die Zusammenarbeit mit dem Kindergarten ist uns wichtig. Erzieherinnen kommen in den Unterricht und Lehrer besuchen den Kindergarten.
- Befreundete Betriebe begleiten und unterstützen die Schule und das Erziehungskonzept. Sie bieten unseren Schülerinnen und Schülern viele Möglichkeiten bei der Berufsfindung und Vorbereitung auf das Berufsleben im Rahmen der Lernwerkstätten im Jahrgang 7 sowie bei Betriebserkundungen und Praktika. Vertreter verschiedener Berufe und Firmen kommen in die Schule und stellen mögliche Ausbildungsberufe in ihrem Betrieb vor.
Partnerschaft mit der Agentur für Arbeit
Seit Jahren arbeitet die Schule eng mit der Agentur für Arbeit zusammen. Der Berufsberater steht den Jugendlichen mehrmals im Jahr in der Schule zur Verfügung.
Ferienprogramm Marktheidenfeld
Die Schule unterstützt seit Jahren das Ferienprogramm der Stadt Marktheidenfeld mit mehreren Angeboten.
Schule als lernende Institution
An der Schule gibt es sowohl die wöchentlichen Lehrerkonferenzen, als auch tägliche Besprechungen mit allen an der Schule Wirkenden (Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen, Hausmeister und Hauswirtschaft):
- Tägliche Besprechungen: Erfahrungsaustausch, Absprachen/Planung
- Wöchentliche Konferenzen
- Offene Klassenzimmertüren
- Schülerrückmeldungen werden aufgegriffen und ernst genommen – aus der Klasse, den Treffen der Schülermitverantwortung und auch durch von den Schülern ausgestellte Zeugnisse für Lehrer
- Elternrückmeldungen
- Teilnahme an vielfältigen Fortbildungsveranstaltungen
- Durch schulinterne Fortbildungen lernt jeder von jedem.
- Viele Lehrer bringen praktische Erfahrungen mit durch frühere berufliche Tätigkeiten z.B. in Verkaufsbetrieben, Wirtschaft, Handwerk..., die den Schülern zugute kommen. Die Lehrer halten Kontakt zu den umliegenden Betrieben und zur Arbeitswelt.
- Lehrer-Arbeitsplätze sind in der Schule, so dass sich die Lehrkräfte austauschen und bei der Vorbereitung helfen können.
